Termine: Tel. +49 160 9623 2547 - E-Mail:
Um das Glück zu finden, muss man auch die Fähigkeit entwickeln, Dinge zu genießen.
Sonst findet man das Glück und kann sich nicht darüber freuen. Das merkt man daran, wie
vielen Menschen es eigentlich gut geht, und wie unglücklich sie dennoch sind. Wissen Sie
selbst eigentlich, was Sie glücklich macht?
Eine Methode, die "en vogue" ist, ist das Dankbarkeitstagebuch: Jeden Tag noch einmal
die Situationen des Tages Revue passieren lassen und die erfreulichen und positiven
Situationen notieren.
Das können große Erfolge sein, aber auch kleine Dinge wie jemand, der einem zugelächelt
hat, oder ein kleiner Unfall, den man vermeiden konnte, eine Autofahrt ohne jeden
Zwischenfall, ein Blick auf eine schöne Landschaft, ein gutes Essen. Oder dass man sich
dabei ertappt hat, etwas Gutes in einer Situation zu sehen, statt wie gewohnt darüber zu
nörgeln. Oder einfach nur, dass man daran gedacht hat, etwas Bewährtes ganz bewusst auf
andere Weise zu tun, etwas Neues auszuprobieren, einen anderen Arbeitsweg
einzuschlagen.
Die Forschung tendiert zur Erkenntnis, dass Dankbarkeitstagebücher tatsächlich wirken: Man
erzieht sich selbst nicht zu Naivität, sondern zu einem positiveren Perspektivwechsel, und
setzt ein Gegenstück zu den automatisierten Grübeleien, die oft negativ sind.
Tagebuch führen ist aber kein Ziel an sich, sondern ein Training. Ein Anfang. Denn es bleibt
ja zunächst dabei, dass man sich zwar freut und dankbar ist. Aber wenn man den Eintrag ins
Tagebuch setzt, sind seit der Situation bereits Stunden oder Tage vergangen. Nach und nach
sollte dieser zeitliche Abstand kleiner werden. Das Ziel ist, dass man sich noch während der
erfreulichen Situation in vollen Zügen darüber freuen kann. Solange das nicht klappt, ist
Glück etwas, das immer nur in der Zukunft liegt. Wenn es aber klappt, hat es die glückliche
Nebenwirkung, dass es auch unseren Ausblick auf die Zukunft positiver macht. Denn die
Zukunft wird sowieso nicht so kommen, wie wir sie uns vorstellen, also können wir zumindest
unsere Gegenwart mit besseren Vorstellungen verschönern. Nicht umsonst Schrieb Russ
Harris, einer der bekanntesten Autoren und Trainer der Akzeptanz-und Commitment-Therapie
(ACT) ein Buch mit dem Titel „Wer dem Glück hinterherrennt, läuft daran vorbei.“
Glück will also trainiert werden.
Allerdings ist auch Glück kein Ziel an sich. Glück besteht aus Momenten. Ein Leben, das
nur aus Glück besteht, ist ein bisschen wie eine gut bezahlte Arbeit zu haben, bei der es aber
am Arbeitsplatz nichts zu tun gibt. Darüber freut man sich vielleicht, wenn man zuvor einen
belastenden Job hatte. Aber nach einer Weile drohen Langeweile und Bore-Out.
Glück sind Momente. Das Leben besteht aus einem Auf und Ab. Wer das Ab aus seinem
Leben entfernen will, wirft auch das Auf heraus. Es ist wie im Freizeitpark: Man kann auf die
Achterbahn steigen oder den kleinen Zug nehmen. Auf der Achterbahn gibt es Intensität und
Abwechslung. Der kleine Zug verläuft immer schön flach. So ist es auch mit dem Leben. Die
flachste Form, zu leben, ist vielleicht die Depression.
Die Suche nach Glück ist also wie die Suche nach dem Tag. Durch die Nacht muss man
trotzdem. Wichtiger ist, was wir mit der Zeit machen.
Und wichtiger als die Suche nach dem Glück ist Erfüllung. Und die kommt davon, dass
man Dinge redlich probiert, manchmal geschafft, Erfahrungen überstanden, Lehren gezogen
hat. Sie kommt davon, dass man "Sinnstiftendes" getan hat, was auch immer das heißen
mag. Für Sinnstiftendes nimmt man auch mal die Durststrecken in Kauf.
Eine gute Frage, die man sich stellen kann, wenn man nach Sinnvollem sucht, ist: "Was
möchte ich auf keinen Fall auf meinem Sterbebett bereuen, nicht erlebt, geschafft oder
zumindest ehrlich versucht zu haben? Woran sollen sich die Menschen erinnern, wenn ich
nicht mehr da bin? Wofür soll mein guter Name stehen?"
Das Schlüsselelement sind unsere tiefen Werte. Mit den tiefen Werten sind keine verbreiteten
Hashtags und salonfähigen Worthülsen gemeint, sondern die echten, tiefen, ganz
persönlichen Werte. Sie sind unser inniges Navigationssystem durchs Leben, an den
ständigen Werbungseinblendungen des Gruppenzwangs und der Gesellschaftsnormen
vorbei.
Wer diese wahren, tiefen Werte in sich erkennt, sich an ihnen orientiert und dafür auch bereit
ist, auf etwas zu verzichten oder gelegentlich einen Preis zu zahlen, hat gute Chancen
darauf, später auf ein erfülltes Leben zurück blicken zu können.
Lesen Sie auch:
•
Startseite
•
Weitere Blog-Artikel
•
Coaching für Hochsensible
•
Coaching für Hochbegabte
•
Hochsensibilität in Beruf und Führung
•
Methoden des Systemischen Coachings
Alexander Hohmann - Blog
Coaching und mehr
Glück ist nicht das Ziel,
sondern die Begleitmusik
eines sinnvollen Lebens.
Viktor Frankl